WILLKOMMEN BEI INSOMI e.V.

Mitten im Weltgeschehen

Im Februar 2017 hatte Angela Merkel persönlich 140 Organisationen, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren, zu einer Veranstaltung nach Berlin ins Bundeskanzleramt eingeladen. Auch INSOMI hatte die Bundeskanzlerin auf ihrer Einladungsliste. Wir waren etwas überrascht, ist unser Verein doch gerade erst „geschlüpft“. Impressionen direkt aus dem  Zentrum der Macht:

 

Die Einladung war von langer Hand vorbereitet. Doch dann kam es anders. Der ursprünglich anberaumte Termin der Flüchtlingshelfer im Bundeskanzleramt musste kurzfristig verschoben werden. Die Weltpolitik kam dazwischen: Der Antrittsbesuch der Bundeskanzlerin bei Donald Trump hatte natürlich Vorrang. Ganz Deutschland schaute nach Washington, wie wohl das erste „Beschnuppern“ verlaufen würde und was wir von der neuen Administration zu erwarten haben.

Aber am 07. April war es dann soweit. Eine bunte Runde aus ganz Deutschland traf sich am Arbeitssitz der Bundeskanzlerin, um sich mit ihr auszutauschen und sich untereinander weiter zu vernetzen. Bevor es losging, gab es Gelegenheit zu einer Führung durch die Schaltzentrale der Macht.  Ein architektonisch beeindruckendes und repräsentatives Gebäude, in dem 600 Menschen arbeiten. Regierung – das wurde spätestens hier klar – ist keine „One-Woman-Show“.

Trump first

Als Angela Merkel das Foyer des Bundeskanzleramtes betrat, wurde sie von einem lang anhaltenden Beifall empfangen. Die ganz große Weltpolitik schwang auch an diesem Tag mit. In der Nacht zuvor hatte US-Präsident Donald Trump als Reaktion auf einen Giftgaseinsatz den Beschuss eines Flughafens in Syrien angeordnet. So berichtete die Bundeskanzlerin zunächst über ihr Telefonat mit dem französischen Präsidenten und seinem italienischen Pendant. Der Krieg in Syrien und die Kriegsfolgen sind eben derzeit allgegenwärtig. Und damit zugleich auch die Flüchtlingsthematik.

Dank der Kanzlerin

Insofern passte es sogar ganz gut, dass die Bundeskanzlerin nach der tagespolitischen Eröffnung ihren Dank an all die anwesenden und nicht-anwesenden Helfer und Ehrenamtlichen richtete, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren und damit dazu beigetragen haben, dass sich Staat und Gesellschaft in Deutschland dieser Herausforderung überhaupt annehmen konnten. Ohne das ehrenamtliche, bürgerschaftliche Engagement, so die Bundeskanzlerin, wäre dies nicht möglich gewesen.

 

Begegnung im Kanzleramt: Bundeskanzlerin Angela Merkel im Gespräch mit Flüchtlingshelfern

 

Angela Merkel überrascht
Dann begann das Podiumsgespräch der Bundeskanzlerin mit fünf ausgewählten Vertretern aus dem Gästekreis. Eloquent führte der Journalist Jaafar Abdul Karim durch die lebhafte Veranstaltung. Wer Angela Merkel bisher nur von Regierungserklärungen und staatstragenden Erklärungen in Funk und Fernsehen kannte, wurde hier von ihr positiv überrascht. Die Bundeskanzlerin faszinierte durch ihre Natürlichkeit (sie war sich nicht zu schade, den Teilnehmern links und rechts von sich auch Wasser einzuschenken), durch ihr Fakten- und Detail-Wissen, ihr offenes Ohr für die Belange und Sorgen der Teilnehmer. Dass Spitzenpolitiker aufmerksam zuhören und sich erkennbar interessiert an den kleinen und großen Nöten des Alltags zeigen, ist nicht selbstverständlich.

Auch die Alltagsnöte im Visier

Angela Merkel zeigte sich hoch konzentriert, schrieb viel mit und beantwortete höchst kompetent die Fragen aus der Podiumsrunde sowie dem Publikum. Dabei bot sie immer wieder die Hilfe ihrer Mitarbeiter an, bei speziellen Problemen, die einer tieferen Auseinandersetzung bedürfen, zu Lösungen zu kommen. Kanzleramtsminister Altmaier versicherte später, dass die „Chefin“ ihre Mitarbeiter auch tatsächlich in die Pflicht nehme, Ergebnisse zu liefern.

Die Dilemma-Falle

Es war deutlich zu spüren, dass die Flüchtlingshilfe und die Integration der Bleibeberechtigten Angela Merkel ein echtes und persönliches Anliegen sind. Zugleich machte sie auch deutlich, dass sie die Bundeskanzlerin aller 80 Millionen Deutschen ist und aus der Breite der Gesellschaft natürlich ganz unterschiedliche Erwartungen und Sorgen an die Flüchtlingsthematik gerichtet werden. Hier heißt es für sie, immer wieder ein entsprechendes Gleichgewicht zu finden und humanitäre Selbstverpflichtungen mit tagespolitischen Herausforderungen in Einklang zu bringen und zugleich vielfältige Ängste in der Bevölkerung ernst zu nehmen – was oft zu einem klassischen Dilemma führt. Da möchten sicherlich nicht viele ihre Gäste gerne mit ihr tauschen.

Die Botschaft aus Berlin: Engagement lohnt sich

Die Bilanz des Tages: Es gibt unglaublich viel in der Flüchtlingshilfe und bei der Integration unserer „Schützlinge“ zu tun. Das ist nicht einfach, es gibt viele Hürden und auch viele Härten und manche frustrierende Erlebnisse für die Flüchtlingshelfer. Aber das Gespräch mit der Bundeskanzlerin hatte dazu auch eine wichtige Botschaft: Engagement, fantasie- und freudvoller Einsatz lohnen sich, weil dies Menschen in Not hilft, ihnen Perspektiven verheißt und nicht zuletzt uns selbst, unsere Gesellschaft und Deutschland weiterbringt.

Es war eine Ehre für INSOMI e.V., zu dieser würdevollen Veranstaltung ins Bundeskanzleramt eingeladen worden zu sein. Gerne tragen wir hier den aufrichtigen Dank der Bundesregierung auch an INSOMI, seine Mentoren und Förderer weiter. Wir nehmen ihn gerne an und verstehen ihn zugleich als Ansporn für uns, den noch langen Weg der Integration unserer neuen Mitbürger weiterhin mit Herz, Verstand und viel Leidenschaft zu begleiten.

 

Foto: Bundesregierung / Bergmann