WILLKOMMEN BEI INSOMI e.V.

Flucht geschafft – Freunde gewonnen

Eine syrische Familie hat die Flucht aus dem Krieg nach Deutschland geschafft. Das Ende der Flucht ist aber erst der Anfang auf dem langen Weg der Integration. Sarah & Martin erzählen von ihrer Mentorenschaft

Ein schwerer Weg nach Deutschland

Zum Beginn unserer Tätigkeit im September 2016 stellte uns Sebastian Brandis vom INSOMI-Vorstand die syrische Familie A. vor. Vater H. ist zusammen mit seiner Tochter, seinem Cousin und seiner Mutter nach Deutschland geflohen. Nach drei Jahren im Libanon entschieden sie sich den schweren Weg in Richtung Deutschland mit dem Schlauchboot und langen Fußmärschen auf sich zu nehmen. Die Tochter war zu diesem Zeitpunkt erst sieben Jahre alt und konnte noch nicht schwimmen.

Leider mussten unsere Schützlinge einen Teil ihrer Familie zurücklassen. Unter anderem sind der vierjährige Sohn und H.´s Ehefrau im Libanon geblieben. Sein Cousin ist ebenfalls ohne seine Frau und mit einigen Verletzungen geflüchtet. Die Mutter unseres Schützlings musste ebenfalls ohne ihren Mann die schwere Reise antreten.

Diese Informationen kristallisierten sich allerdings alle erst im Laufe der letzten zwei Jahre heraus. Der Beginn unserer Mentorenschaft war nicht immer einfach, vor allem auch wegen der sprachlichen Barrieren. Unsere Familie ist sehr offen, liebenswert und gastfreundlich. Auch wenn die Kommunikation anfangs nur mit Händen und Gesten und Google-Übersetzer möglich war, sind die ersten Treffen sehr schön gewesen. Bereits nach wenigen Wochen wurden wir zu einem festlichen Essen eingeladen.

Arabische Gastfreundschaft hat den aromatischen Duft eines frisch gebrühten Tees

 

Der Gast ist König

Der Gast ist in der arabischen Kultur immer König und wir durften einige kulinarischen Leckereien entdecken. Zusammen saßen wir oft auf dem Fußboden in der Flüchtlingsunterkunft und feierten mit der Familie Geburtstage oder auch den Ramadan.

Viel voneinander gelernt

An den gemeinsamen Treffen lernten wir viel über die arabische Kultur, das frühere Leben unserer Schützlinge und lernten auch ihre Freude und Ihr Leid kennen. Von ihrem Heimatdorf und ihrem Haus sind nur Trümmer übrig. Ein Freund der Familie, der sich eine Flucht nicht leisten konnte, schickte ihnen regelmäßig Bilder vom Ausmaß des Krieges per Whatsapp. Wir waren wegen O.s Verletzungen durch den Krieg sehr betroffen. Der Cousin erlitt bereits in Syrien schwere Schussverletzungen durch drei Kugeln. Eine traf ihn im Bein und ließ ihn mit schweren Narben und einem humpelnden Bein zurück.

Erstmal wieder gesund werden

Unsere ersten Treffen richteten sich daher meist hauptsächlich darum, O. mit seinem Fuß zu helfen. Ob mit Google-Übersetzer beim Arzt vor einer OP oder mit Hilfe von „Migramed“ (Verein von Studenten, die Flüchtlinge mit Übersetzer bei Arztbesuchen begleiten) unterstützen wir seine Genesung. Glücklicherweise waren seine Nerven noch intakt und er kann bereits wieder ohne Schmerzmittel und Krücken laufen und seine Fortschritte der Genesung sind fortlaufend erkennbar.

Nachdem es O. besser ging und nach einigen gemeinsamen Besuchen beim Jobcenter trafen wir uns vermehrt in der Stadt, um der Familie zu zeigen, was München so zu bieten hat. Beim Picknick im Biergarten, Glühwein am Viktualienmarkt, Spaziergängen z.B. zum Schloss Nymphenburg oder beim Bouldern lernten wir die Familie immer näher kennen.

Ankommen in München: ein Spaziergang im Schlosspark Nymphenburg gehört unbedingt dazu

 

Eine Bereicherung fürs Leben

Mittlerweile sind wir Freunde geworden und treffen uns regelmäßig für Freizeitaktivitäten und nur noch selten für Behördengänge oder Arztbesuche. Wir sind sehr froh, eine Mentorenschaft bei INSOMI e.V. begonnen zu haben und wir durften einen Einblick in die arabische Kultur genießen und haben viele Dinge gelernt. Um es mit den Worten von H. auszudrücken: Gute Freunde = حبيبي „Habibi“ 🙂  und ein großes شكراً (Danke) an INSOMI für die Zusammenführung und Bereicherung in unserem Leben.

Interessieren Sie sich vielleicht auch für eine Mentorenschaft? Dann kontaktieren Sie uns einfach. Unsere Mitarbeiterin Annette Sommer freut sich, von Ihnen zu hören.