WILLKOMMEN BEI INSOMI e.V.
22. Dezember 2015

Kinder bestmöglich schützen

Dr. Peter Feiereisen betreut mit Medizinerkolleginnen und –kollegen Kinder von Flüchtlingsfamilien. Der 57-jährige Kinderarzt weiß: Neben medizinischer Grundversorgung ist Kommunikation für das Gesundwerden und -bleiben das A und O.

Herr Dr. Feiereisen, Sie gehören zu dem Ärzteteam, das in Gräfelfing Flüchtlinge bei der Erstaufnahme in der Turnhalle des Kurt-Huber-Gymnasiums medizinisch betreut hat. Wie haben Sie die gesundheitliche Situation der Flüchtlingskinder erlebt?

Wir hatten dort 80 Kinder betreut. Deren gesundheitlicher Zustand war sehr unterschiedlich und spiegelte mehr oder weniger das wider, was wir in unserer Kinderarztpraxis tagtäglich erleben: Husten, Schnupfen, Heiserkeit und Durchfall. Es gab aber auch ernstere Fälle wie einige chronische Erkrankungen und vereinzelt Formen von Autismus. In einem Fall mussten wir ein Kind zur stationären Behandlung ins Kinderzentrum Großhadern überweisen.

Wie sah es mit typischen Kinderkrankheiten aus?

Da fehlte bei den meisten die Grundversorgung – oder sie ließ sich über die einschlägigen Impfdokumente nicht nachweisen. Ich halte die Impfung gegen ansteckende Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps, Röteln und Windpocken für absolut notwendig. Gerade in Gemeinschaftsunterkünften. Um die Kinder bestmöglich zu schützen, haben wir dann an einem Samstag mit mehreren Ärzten und Helfern aus unseren Praxen 60 Kinder geimpft.

Haben Sie nach der Schließung der Turnhalle noch Kontakt zu den Kindern und wie werden sie weiterversorgt?

Nachdem die Erstaufnahme in der Turnhalle geschlossen wurde und die Familien auf Unterkünfte in Oberhaching und die Turnhalle des TSV Gräfelfing verteilt wurden, hatten wir die Sprechstunden vor Ort aufgegeben und die Betreuung der Familien unter unseren Ärzten aufgeteilt. Jede Praxis versorgt nun im Rahmen ihrer normalen Sprechzeiten je zehn Familien. Ein Großteil von ihnen wird voraussichtlich dann im Januar 2016 in die neue Unterkunft in Gräfelfing einziehen. Sie sollen dann weiter in eine ganz normale Gesundheitsvorsorge integriert werden.

Wie klappt die Kommunikation?

In der Medizin ist Kommunikation das A und O. Man muss miteinander sprechen können, um eine sinnvolle Behandlung durchzuführen. In den syrischen Familien gibt es meist jemanden, der Englisch spricht. Die Verständigung mit Afghanen ist oft schwieriger. Da brauchen wir mitunter Übersetzer, die Farsi, Paschtunisch oder Dari sprechen. Irgendwie haben wir es über unsere Kontakte immer organisiert, dass uns dabei ein freundlicher Mensch aus dem jeweiligen Land hilft.

Wie sehr berühren Sie die Flüchtlingsschicksale?

Ich habe durch meine Arbeit mit Kindern in Not in Afrika und Peru so viel erlebt, da kann mich so schnell nichts erschrecken. Bei der Erstaufnahme in der Turnhalle sind die Bedingungen nicht gerade rosig, die sanitären Anlagen ließen zu wünschen übrig. Aber all dies ist überhaupt kein Vergleich zu Ländern, wo die Infrastrukturen durch Krieg und Völkermord komplett zerstört wurden. Wir haben gute Voraussetzungen – wir müssen daraus auch das Beste machen.

Sie gehören zu den Gründungsmitgliedern von INSOMI e.V. Was erhoffen Sie sich von dem Verein?

Ich möchte Menschen in Not helfen und mit ihnen Perspektiven auf eine bessere Zukunft und eine friedlichere Welt schaffen. Lippenbekenntnissen reichen dafür nicht aus, es kommt immer auf die Umsetzung eines guten Willens an. Mein Eindruck ist, dass bei INSOMI eine gute Mischung sehr unterschiedlicher Menschen mit verschiedensten Kompetenzen zusammengefunden hat. Wenn diese bereit sind, über ihren eigenen Tellerrand zu schauen, und in der Flüchtlingshilfe ebenso leidenschaftlich wie professionell zu gestalten, werden wir etwas bewegen können. Wir stehen am Anfang. Die ersten Ideen und Konzepte und der Austausch untereinander stimmen mich aber ganz zuversichtlich, dass hier etwas Großes entstehen kann.